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«Taizé? Nie gehört.» War das noch vor wenigen Wochen die Antwort auf die Frage, ob das Europäische Taizé-Jugendtreffen den Befragten ein Begriff sei, so ist den Baslern das kleine Dorf im Burgund in der Zwischenzeit bestens bekannt. Rund 17 000 Jugendliche verbrachten die Tage über Neujahr in Basel, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern und in Gruppengesprächen oder Workshops ihren Glauben zu stärken. Dazu gesellten sich noch 3000 Teilnehmende aus der Region.

Spontan und unkompliziert

Und Gottvertrauen brauchte es, um das Europäische Jugendtreffen von Taizé realisieren zu können. Mitte Dezember fehlten immer noch rund 6000 Übernachtungsplätze. Doch der Aufruf in den Kirchgemeinden blieb nicht ungehört. Nach dem Treffen konnten die Brüder der Communauté vermelden, dass sogar noch Plätze frei geblieben seien. Die Jugendlichen reisten am 28. Dezember in 84 Sonderzügen der SBB, 18 Sonderzügen der SNCF und 125 Bussen an, einige auch per Flug. Allein aus Polen kamen 5000 Jugendliche und 2800 aus der Ukraine. Gerade die Osteuropäer waren oft zwei, drei Tage unterwegs, um ins Dreiland zu gelangen.

Die Jugendlichen fanden sich tröpfchenweise in der Basler Predigerkirche ein. Ein kleines Team begrüsste die Gäste und die Türen blieben bis spät abends offen. Dank der dem Taizé-Geist eigenen Spontaneität verlief die Verteilung der Jugendlichen auf die Gastfamilien unkompliziert und endete auch in vertrackten Fällen mit einem Happy End. Eine Frau aus der Ukraine lernte gleich alle drei teilnehmenden Länder kennen – sie wurde nämlich zuerst nach Lörrach, dann nach St. Louis und schliesslich in die St. Jakobshalle geschickt, bevor sie nach 20 Uhr in der Predigerkirche ankam und doch noch zu ihrer Gastfamilie fand. Mit «Händen und Füssen» verständigten sich jene Gastgeber und Jugendlichen, wo keine gemeinsamen Sprachkenntnisse vorhanden waren.

Grenzen zeigten sich am Jugendtreffen indes da und dort. An den Mittagsgebeten waren die Kirchen beispielsweise oft bis zum letzten Platz und manchmal darüber hinaus gefüllt. In der Predigerkirche fanden sich 1200 Jugendliche zum Gebet ein. Möglich war dies, weil nahezu alle Stühle ins «Exil» – sprich eingelagert – wurden. So sassen alle wie in Taizé am Boden (Bodenheizung), der Platz reichte dennoch kaum.

Eindrückliche Workshops

In den beiden Workshops in der Predigerkirche spielte Organist Jörg-Andreas Bötticher zusammen mit Jermaine Sprosse, Organist in St. Peter und Paul Allschwil, und Oren Kirchbaum, Organist und freier Tonmeister. Mit «Estampie» aus dem Robertsbridge Codex des 14. Jahrhunderts (älteste erhaltene Tastenmusik) wurde der Anlass eröffnet, mit dem «Trialog», einem Gespräch zwischen Silbermann-, Schwalbennest- und Truhenorgel im improvisierten, freien Stil, endete der Workshop, wobei die zeitgenössischen Klänge am Schluss ins «Magnificat» von Taizé überging. 750 Jugendliche liessen sich das nicht entgehen.

Über 400 Besucher hörten sich den Vortrag von Pfarrer Michael Bangert zur Entstehung der Krippe an – so, wie wir sie heute kennen. Und da war durchaus Überraschendes und Modernes dabei. Gestellt wurde unter anderem die Frage, woher die Windeln stammen, die das Christuskind auf einem Bild trage. Die Antwort: In der einen Bildecke sitzt Joseph barfüssig und hält Strümpfe im Stile von Leggings in seinen Händen. Er ist gerade daran sie so zu teilen, dass daraus Windeln gefertigt werden können.

Warten und anstehen

Etwas wurde den Jugendlichen täglich abverlangt: Geduld. Denn das Warten gehörte zum täglichen Brot der Pilger. Sei es vor den Kirchen, den Toiletten, den Teeausgabestationen oder bei der Essensabgabe. Ohne anstehen ging nichts. Eine Stunde nach dem Mittagsgebet löste sich die Warteschlange in der Predigerkirche langsam auf. Dennoch kein Nörgeln oder Motzen. Auch die Teestation mit fast 100 Litern stand unter Dauerbelagerung – es war die einzige Getränkeausgabe unter einem Dach und in der Wärme, was sich schnell herumsprach.

Entschädigt wurden die sehr disziplinierten Jugendlichen durch die grosse Gastfreundschaft und die gut organisierten Anlässe. Welche Stimmung herrschte an den Mittagsgebeten – stille Momente waren so still, als wären die Kirchen leer und nicht mit hunderten von Jugendlichen gefüllt! Und die Gesänge... vierstimmig und stimmgewaltig waren sie, begleitet von Gitarre, Flöte, Oboe oder Trompete und unterstützt von Chören. Eindrücklich auch das Mittagsgebet am Silvestertag im Basler Münster, das von SRF und ARD ausgestrahlt wurde und in dem Prior Frère Alois «die Freude, die nie versiegt» ins Zentrum seiner Worte stellte.

Bischof Harald zu Gast

Am Silvestertag feierten die Jugendlichen den Gottesdienst jeweils in den Gemeinden ihrer Gastfamilien. In der Predigerkirche fanden sich über 300 Gottesdienstbesucher ein. Die Feier wurde zusammen mit den Anglikanern gestaltet, mit denen die Basler Kirchgemeinde ihr Taizé-Engagement gemeinsam bestritt. Zu Gast war Bischof Harald Rein, der auch das Amt des Auxiliar-Bischofs der Anglikaner bekleidet. Am anschlies-
senden durch die anglikanische Gemeinde organisierten Apéro bot sich Gelegenheit zum Austausch, was gut und intensiv genutzt wurde.

Bereits am Vortag bestand die renovierte St. Jakobshalle ihre Feuertaufe. Sie war zum Abendgebet bis auf den letzten verfügbaren Platz besetzt. Bis wenige Minuten vor Beginn um 19 Uhr erreichten noch volle Tramzüge den Ort, standen Hunderte vor den Toren und warteten auf Einlass, der nur mit Ticket und nach Kontrolle durch Sicherheitspersonal gewährt wurde.

Hungrig und dankbar

Wenige Stunden zuvor dasselbe Bild bei der Essensausgabe – einer logistischen Herausforderung. Von der grossen Halle, vorbei am Gartenbad, bis hin zur St. Jakob-Arena standen die jugendlichen Pilger in unüberblickbaren Kolonnen. In Massen wurden auch die Lebensmittel antransportiert: 7 Tonnen Brot, 130 000 Äpfel und Mandarinen und 50 000 Flaschen Wasser. Auch in der Predigerkirche musste das Organisationsteam auf Grosseinkauf gehen – kiloweise Läckerli, Snacks und Gugelhupf, literweise Mineralwasser, Süssmost und Weisswein für die Apéros sowie Prosecco und Rimus für die Neujahrsfeier. Ausgelassen wurde der Jahreswechsel im Schiff der Predigerkirche gefeiert und nach dem 20-minütigen Feuerwerk aufs 2018 angestossen, gesungen und getanzt bis nach 2 Uhr in der Früh. Am Neujahrstag, dem Tag der Rückreise, zeigte sich, dass die Kirchgemeinden ihre Aufgabe gut gelöst hatten. Das bestätigen Daniel und Veronika vom Taizé-Media-Team: «Abschliessend können wir sagen, dass das Treffen zu unserer vollen Zufriedenheit und ohne grössere Zwischenfälle verlaufen ist.»

Bis bald in Madrid

Dann am Nachmittag am Bahnhof SBB jenes Bild, das schon die vergangenen Tage herrschte: Anstehen, diesmal vor dem Bus zum Flughafen. Und Richtungssuchende – vier Franzosen, die im 30er-Bus zum Badischen Bahnhof fuhren, statt zur SBB. Sie merkten es noch rechtzeitig und stiegen um. Ganz dem Titel einer Medienmitteilung der Taizé-Bruderschaft entsprechend: «Ein Abenteuer des Vertrauens in Basel.» Vertrauen, dass am Ende alles in die richtige Richtung gehen werde.

Für das nächste Europäische Jugendtreffen geht die Reise Richtung Süden. Es findet wiederum über die Neujahrstage in Madrid statt. Das Taizé-Vorbereitungsteam blieb noch bis zum 22. Januar in Basel, um die Gastgemeinden zu besuchen und deren Erfahrungen einzuholen. Am 14. Januar fand im Basler Münster ein Abschlussgebet mit den Freiwilligen und Mitgliedern der Gastgemeinden statt.

Dank an alle

Für das OK in Basel waren es fünf sehr intensive Tage mit stundenlanger Präsenzzeit (die Beine dürften etwas kürzer geworden sein). Dies dürfte wohl für alle Teams gelten, die sich in den weiteren christkatholischen Gemeinden für das Treffen eingesetzt und eine grandiose und aufopfernde Arbeit geleistet haben. Gleiches gilt für die unzähligen Gastfamilien, welche die Jugendlichen mit grosser Gastfreundschaft aufgenommen sowie betreut haben. Kein Wunder, sind die Rückmeldungen der jungen Pilger durchwegs positiv ausgefallen.

Für das Gelingen des Taizé-Treffens waren sie alle unverzichtbar. Es hat sich gezeigt, dass auch eine kleine Kirchengemeinschaft wie unsere zu Grossem in der Lage ist, wenn alle an einem Strick und in die gleiche Richtung ziehen. Chapeau!

Franz Osswald

 
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