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Essay zur Volksabstimmung «No Billag» am 4. März 2018

«Was nichts kostet, ist nichts wert», haben mich meine Eltern gelehrt. «Geiz ist geil» war ihnen fremd. 365 Franken, einen Franken pro Tag, soll künftig kosten – sollte «No Billag» abgelehnt werden – was viele von uns tagtäglich hören und sehen: Radio und Fernsehen. Allein eine einzige Tageszeitung ist oft schon teurer und wenn ich Sport auf einem Pay-TV-Sender sehen möchte, kostet mich das 300 Franken im Jahr – wohlgemerkt nur für Sport! Da will man mir weismachen, dass es auch ohne Gebühren ein vielfältiges Programmangebot für alle Landesteile und alle Minderheiten geben wird. Lüge!

Ein Blick nach Italien oder über den grossen Teich genügt, um aufzuzeigen was uns blühen wird. Doch warum in die Ferne schweifen, wenn das Schlechte so nah liegt? TeleBasel, ein Sender, der dank Mittel aus dem Gebührentopf mehr schlecht als recht überleben kann, hat den erfolgreichen «Theologischen Tipp» ersatzlos aus dem Programm gekippt, weil er nicht mehr bereit war, die Produktionskosten zu bezahlen. Und da soll also alles besser werden, wenn Privatsender in Zukunft keinen Zustupf mehr aus Gebührengeldern erhalten werden, wenn es jetzt schon nicht für eine beliebte Minderheitensendung reicht? Lächerlich!

Der «Theologische Tipp» ist inhaltlich und strukturell mit dem «Wort zum Sonntag» von SRF zu vergleichen. Die Produktionskosten belaufen sich bei SRF auf 3000 Franken pro Sendung. Mit einem Marktanteil von 28,5 Prozent (344 000 Zuschauer) weist das «Wort zum Sonntag» ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis auf. Der «Zwischenhalt» am Radio steht dem mit 27 Prozent Marktanteil und 210 000 Zuhörenden in nichts nach.

Andere Sendungen wie «Fenster zum Sonntag», «Sternstunde Religion» oder die Fernsehgottesdienste bewegen sich deutlich darunter und erreichen nicht ganz 5 Prozent Marktanteile, was für anspruchsvolle Kultursendungen der Normalfall ist. Andererseits lassen sich Herr und Frau Schweizer Orchester und Theater Millionen von Steuerfranken kosten und bezahlen darüber hinaus für die Vorstellungen und Konzerte noch zusätzlich. Fernsehen und Radio dagegen soll zum Nulltarif das Unterhaltungs- und Informationsbedürfnis der Bevölkerung abdecken.

Allein während der vergangenen Feiertage strahlte SRF im Bereich Religion «De Himmel chunnt uf d'Erde», einen Familiengottesdienst aus Aarau mit Andrew Bond; «Weihnachten in Bethlehem», eine Begegnung im Heiligen Land; «Sternstunde Musik», Barockmusik zu Weihnachten; die Christnachtfeier aus Aarau; zahlreiche weihnachtliche Spielfilme und das Mittagsgebet der Gemeinschaft von Taizé aus dem Basler Münster aus. Während Letzteres sogar vom deutschen ARD übernommen wurde, hat der private Zürcher «Tagesanzeiger» das Taizé-Jugendtreffen totgeschwiegen. Das ist sein gutes Recht, denn er muss ja keinen staatlichen Leistungsauftrag erfüllen und Minderheiteninteressen abdecken wie die SRG.

Im Jahr werden bei SRF rund 400 journalistische Radiosendungen für die einzelnen Rubriken produziert. In Koproduktion mit den kirchlichen Medien bietet SRF 80 Radiopredigten und vier reine Radiogottesdienste an sowie 56-mal «Ein Wort aus der Bibel» und 52 Ausgaben von «Text zum Sonntag». Sendungen, die unterhalten und bilden.

Dieser Überblick ist natürlich unvollständig. Noch kein Wort habe ich über die einzelnen Sprachregionen verloren oder über Minderheiten, wie beispielsweise die Gehörlosen. Im Jahr 2016 hat die SRG 30 000 Programmstunden in den Sprachen Deutsch, Französisch und Italienisch untertitelt, was einer Quote von 51,5 Prozent entspricht und 7,2 Millionen Franken gekostet hat.

Vielfalt heisst für mich, dass auch die Interessen jener abgedeckt werden, die zwar kommerziell uninteressant, aber ein Teil unserer Bevölkerung sind! Landesweite Vielfalt für einen Franken pro Tag – das ist schlichtweg sensationell! Mehr für weniger Geld bekommt man nirgends! Nicht von privaten Radio- und Fernsehsendern und schon gar nicht vom Pay-TV, sprich Bezahlsendern.

Ich höre schon die Kritik der Lobhudelei, die ich – ein Journalist – an dieser Stelle verbreite. Den Fernseher habe ich vor einiger Zeit ins Fachgeschäft zurückgebracht, weil kein Bedarf mehr bestand. Ich höre Radio und lese Zeitungen (sogar den Zürcher Tagesanzeiger im Abo). Dennoch verteidige ich hier das Fernsehen mit und bezahle die Billaggebühren ohne murren, auch wenn ich mit dem Radio «nur» die Hälfte des Angebots nutze. Das ist gut schweizerisch: Alle bezahlen und finanzieren damit auch Leistungen mit, die sie selbst nicht in Anspruch nehmen. Nur so – und wirklich nur so – kann ein landesweites Unterhaltungs- und Informationsangebot die vielfältigen Interessen und Meinungen der Bevölkerung abdecken. Guter Informationsjournalismus lässt sich nicht über Werbung finanzieren, sondern nur über Gebühren.

Deshalb: Wer guten Journalismus, Meinungsvielfalt, die Berücksichtigung von Minderheiten, Unterhaltung und Bildung wünscht, kann nur «No» zu «No Billag» sagen. Das kostet zwar einen Franken pro Tag, ist aber das Geld allemal wert. In Zukunft nur noch Privatradio hören? Wenn Sie mich fragen: Apokalypse now!

Franz Osswald

 
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