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Die Präsidentin des Synodalrates der Christkatholischen Kirche der Schweiz sieht die Zukunft ihrer Kirche in effizienten, zentral ausgeführten Dienstleistungen auf allen Ebenen. Diese Vision entwirft sie in ihrem Neujahrswort 2018.

 

Liebe Christkatholikinnen und Christkatholiken

In den kommenden Jahren folgen die Jubiläen in unserer Kirche Schlag auf Schlag. Am 1. Juni 2018 findet die 150. Nationalsynode in Basel statt. 2020 jährt sich das 1. Vatikanum (päpstliches Jurisdiktionatsprimat), zum 150. Mal. 2022 feiern wir 150 Jahre «Oltener Tag», den Tag der Gründung der Christkatholischen Kirche der Schweiz, 2024 stehen 150 Jahre Verfassung unserer Christkatholischen Kirche an und im gleichen Jahr jährt sich der 100. Todestag Eduard Herzogs, des 1. Bischofs unserer Kirche.

Es sind dies Marksteine der christkatholischen Geschichte und wir werden sie gebührend feiern, mit Gottesdiensten, Ansprachen, Publikationen. Aber auch mit Begegnungen und Gesprächen mit Geistlichen, Amtsträgern und Laien, zwischen Alt und Jung und auch mit anderen Konfessionen. Wir wollen aufzeigen, dass wir eine lebendige Kirche sind, die Jubiläen gerne festlich begeht, jedoch christkatholische Traditionen hoch hält. Schön wäre, wenn wir alle das Gespräch untereinander suchen würden und vielleicht können sogar weniger aktive Mitglieder mit einbezogen werden. Das war eine der vielen guten Absichten unserer Gründerväter. Sie wollten eine offene Gemeinschaft, Mitbestimmung mit echten demokratischen Elementen, aber selbstverständlich mit bischöflich-synodalen Strukturen. Wir selbst müssten diese Grundsätze heute und auch in Zukunft viel stärker pflegen, sogar umsorgen. Ich kann mich hie und da des Eindrucks nicht erwehren, dass wir unsere Eigenständigkeit zu wenig selbstbewusst bekunden. Vielleicht sind wir etwas bequem geworden? Hingegen halten wir uns in der persönlichen Ausprägung des Individualismus weniger zurück. Darum: Lasst uns eine Kehrtwendung vollziehen, rütteln wir uns gegenseitig auf, entfachen wir wieder unser inneres Feuer! Es bringt nichts, über gering frequentierte Gottesdienste und fortschreitende Säkularisierung zu klagen. Viel sinnvoller wäre, die Öffentlichkeit, unsere Glaubensbrüder und -schwestern, persönlich anzuspornen. Auch unsere Geistlichen sind dazu aufgerufen und wenn wir sie effektiv und auf Dauer unterstützen, könnte sich das innere Feuer urplötzlich auch nach aussen bemerkbar machen.

Mitbestimmung – immer und überall?

Mitbestimmung, oder Mitgestaltung in unserer Kirche sind Grundwerte und diese wollen wir auch in Zukunft hoch halten. Immer wieder erleben wir mit Genugtuung, wie sich unsere Mitglieder mit Vorschlägen, Anregungen oder auch mit – durchaus erwünschter – Kritik einbringen. Nicht nur Amtsträger aus Kirchenpflegen, sondern auch viele engagierte Gemeindeglieder tragen zu lebhaften Diskussionen bei. Und das ist gut so. Allerdings können unsensible Meinungsäusserungen und entgegengesetzte Standpunkte auch erhebliches Konfliktpotenzial bergen. Traditionalistisches Denken und neuzeitliche Konstellationen prallen zuweilen hart aufeinander. Für Diskussionen und Gespräche sowie das Finden und Erarbeiten von Lösungsansätzen sind darum die Verhandlungen an unseren Synoden wie geschaffen. Wir wollen diese fantastischen Möglichkeiten auch in Zukunft nutzen und im Plenum, demokratisch, den gemeinsamen guten Weg in die Zukunft finden. Die vollständige und vorbehaltlose Einigkeit zu finden ist nicht möglich. Dessen bin ich mir bewusst. Niemand ist unfehlbar. Es ist indes enttäuschend, wenn unterschiedliche Überlegungen als persönliche Niederlage und als Affront hochstilisiert, oder wenn nicht genehme Beschlüsse im Nachhinein kritisiert werden. Mitbestimmung ist ein Grundrecht in unserer Kirche. Das ist gut so, da gibt es nichts zu deuteln, aber starrsinnige Rechthaberei absorbiert nur Zeit und Energie und hinterlässt Frustrationen rundherum.

Gemeindestrukturen

Verglichen mit anderen Glaubensgemeinschaften geniessen wir ein beachtliches Mass an Mitbestimmung. In den Kirchgemeinden, insbesondere an der jährlichen Kirchgemeindeversammlung, können wir unsere Anliegen und Vorschläge einbringen. Entschieden wird mit Mehrheitsbeschluss. An Kantonal- oder Nationalsynoden, die verfassungsgemäss mit zwei Dritteln Laiendelegierten und einem Drittel Geistlichen tagen, können wir Mehrheitsbeschlüsse fassen und damit unsere Zukunft planen und festlegen. Und doch kommen wir nicht umhin, unsere Strukturen innerhalb der Kirchgemeinden und auch im Bistum immer wieder neu zu überdenken und zu verbessern. Vielen Gemeinden fällt es heute schwer, nur schon Kirchenpflegen analog den Statuten personell zu besetzen. Arbeitsintensive Ressorts wie die Finanzen können oft nicht mit Gemeindegliedern besetzt werden. Der Finanzverwalter sollte über Kenntnisse in Rechnungslegung sowie eventuell in Arbeitsrecht und im Sozialversicherungswesen verfügen. In einer mittleren Kirchgemeinde hat er durchschnittlich pro Woche rund vier Stunden aufzuwenden. Müssen Reparaturen oder Sanierungen an Liegenschaften geplant und ausgeführt werden, kann sich der Arbeitsaufwand leicht verdoppeln. Es ist daher nachvollziehbar, dass diese Funktion in Zukunft nur noch in Ausnahmefällen ehrenamtlich besetzt werden kann.

Wie wollen wir die (administrative) Zukunft gestalten?

In diesem Zusammenhang erstaunt es immer wieder, wenn die Ergebnisse der Statistiken über die Freiwilligenarbeit in der Schweiz vorliegen: Wir lesen da von 9,2 Milliarden (!) Gratis-Arbeitsstunden – jedes Jahr! Auch wenn der grösste Anteil der Gratisarbeit auf Frauen in Haushalt und in der Kindererziehung fällt, so muss der «Rest» gleichwohl gigantisch sein. Trotzdem fehlt es unseren Kirchgemeinden an ehrenamtlichen Mitarbeitern. Der Schluss liegt nahe: In Zukunft werden wir unseren Kirchgemeinden wohl zentral ausgeführte Dienstleistungen anbieten müssen. Dies kann in Form von Gemeinde- oder Regionalverbänden oder durch das Bistum, durch fest angestellte Mitarbeiter, erfolgen. Wir könnten die anfallenden Raum-, Lohn- und Sozialkosten zentral tragen und damit die Effizienz steigern. Die Anteile der einzelnen Kirchgemeinden sind dadurch günstiger. Der Gemeindeverband Christkatholische Kirche im Fricktal oder der Verbund der christkatholischen Kirchgemeinden Olten und Umgebung könnten dabei als Ideenlieferanten für eine mögliche Ausrichtung und Planung dienen. Es ist meine feste Überzeugung, dass wir es unseren Glaubensbrüdern und -schwestern schulden, wenn wir uns im kirchlichen Dienst, aber auch in der administrativen Zusammenarbeit, an der Neuzeit und an der Aktualität orientieren und damit folgerichtig besseres Verstehen und mehr positive Aufmerksamkeit erfahren dürfen.

Ich möchte Ihnen allen danken für Ihr Engagement, Ihre Zeit und Erfahrung und für Ihr Wissen. Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Jahr mit viel Schwung, bester Gesundheit und Gottessegen.

Manuela Petraglio
Synodalratspräsidentin

 
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