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Ende Oktober präsentierte sich das heute im östlichen Polen liegende Lublin drei Tage lang als «Stadt des religiösen Einvernehmens», was ein Kongress im Blick auf die drei christlichen Haupttraditionen Europas dokumentieren sollte.

 

Der äussere Anlass dafür war ein dreifaches Jubiläum. Vor 700 Jahren erhielt Lublin im Zuge der territorialen Einigung zu einem Königreich Polen das Stadtrecht; 500 Jahre liegt die mit Martin Luther verbundene Reformation zurück und vor 100 Jahren wurde die «Katholische Universität Lublin» (KUL) errichtet, die seit dem Tod des polnischen Papstes den Zunamen «Johannes Paul II.» trägt. Die ökumenische Weite des Kongresses zeigte sich schon an seinem vierfachen Patronat, das aus dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen, der Utrechter Union Altkatholischer Kirchen, dem Lutherischen Weltbund und dem (orthodoxen) Ökumenischen Patriarchat bestand. Den drei christlichen Haupttraditionen entsprechend, war je ein Tag den ökumenischen Perspektiven und Anliegen der östlichen Orthodoxie, des Katholizismus und des Protestantismus gewidmet. Die meisten zu einem Referat von jeweils einer halben Stunde eingeladenen Vortragenden stammten aus Polen, doch die weltweite – im guten wie im problematischen Sinn – theologische Relevanz der ausgewählten Themen kam in der Regel deutlich zur Geltung. Zu jedem Kongresstag gehörte auch ein Gottesdienst – in der orthodoxen Verklärungskathedrale, in der Heilig-Kreuz-Universitätskirche der KUL und in der evangelisch-augsburgischen, das heisst lutherischen Dreifaltigkeitskirche.

Zu Gast in Lublin

Der formelle Auftakt begann in dem im 14. Jahrhundert erbauten Königsschloss, in dessen Verlauf auch klar wurde, wie grosszügig die Stadt Lublin den Kongress finanziell und moralisch unterstützte. Zum Schloss in der sehenswerten Altstadt gehört auch die zur Zeit der aufstrebenden litauisch-polnischen Jagiellonendynastie erbaute und ausgemalte katholische Dreifaltigkeitskapelle; ihre einzigartigen byzantinisch-ruthenischen Fresken mit ostkirchlichen Heiligen, die um 1418 entstanden sind, stellen ein Zeugnis eines – leider immer wieder abgebrochenen und zudem die jüdische Gemeinschaft gewaltsam ausschliessenden – kulturellen Austausches zwischen Ost und West dar. Genau dies ist ein Kennzeichen der nicht auf das «Abendland» eingeengten Grösse Europa. Das mag auch das «Europäische Kulturerbe-Siegel» nahelegen, das Lublin, ein wichtiger spätmittelalterlicher Verkehrsknotenpunkt zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer, im Jahr 2015 erhalten hat.

Die Altkatholischen Kirchen leisteten ihren Beitrag zum ökumenischen Kongress

Zurück zum Kongress: Dass am zweiten, der katholischen Tradition gewidmeten Tag, einer der drei Vortragsblöcke der Altkatholischen Kirche eingeräumt wurde, ist der Polnisch-katholischen (= altkatholischen) Kirche mit ihrer Präsenz an der «Christlichen Theologischen Akademie» (ChAT) in Warschau zu verdanken. Sie hatte zudem in der Person des hochengagierten Pfarrers der örtlichen Kirchgemeinde, Andrzej Gontarek, der auch an der ChAT unterrichtet, ein ständiges Mitglied in dem vom umsichtigen Prof. Sławomir Pawłowski (KUL) geleiteten Organisationskomitee.

Der Erzbischof von Utrecht, Joris Vercammen, stellte als Präsident der Internationalen Altkatholischen Bischofskonferenz (IBK) umfassend die Utrechter Union vor; der Schreibende ging auf deren verschiedene internationale theologische Dialoge mit anderen Kirchen und ihre partielle Auswertbarkeit im Sinne eines gemeinsamen Verständnisses der Kirche in einer geklärten Kontinuität mit frühkirchlichen Vorgaben ein. Zwei weitere Referate betrafen die Arbeit innerpolnischer Gesprächskommissionen, nämlich einerseits den Dialog zwischen der Polnisch-katholischen und der Römisch-katholischen Kirche, über den Andrzej Gontarek informierte, andererseits den Dialog der – früher zur Utrechter Union zählenden – «Altkatholischen Kirche der Mariaviten» mit der Römischen Kirche, zu dem sich der mariavitische Bischof Michał M. Ludwik Jabłoński äusserte.

Was hier nicht weiter berichtet werden kann, sind die zahlreichen persönlichen Begegnungen, bei denen der an der KUL lehrende Schweizer Germanist Prof. Max Stebler unermüdlich Übersetzerdienste leistete.

Polnisch-katholische Kirchgemeinde feiert 80. Gründungstag

Die polnisch-katholische Kirchgemeinde in Lublin konnte mit den drei grossen Jubiläen noch ein kleineres, aber eigenes Jubiläum verbinden: Sie wurde vor 80 Jahren gegründet. Aufgrund der guten Kontakte von Pfr. Gontarek und auch weiterer polnischer Geistlicher mit der Christkatholischen Kirche der Schweiz kann es nicht überraschen, dass im Gottesdienst vom 15. August 2017, dem Patroziniumstag der Lubliner Kirche, an dem dieses Jubiläum begangen wurde, der Kirchenchor Bern musikalisch mitwirkte. Gut elf Wochen später, am Vorabend des Kongresses, leitete am selben Ort Erzbischof Joris die Eucharistiefeier der Gemeinde, zu welcher der Ortspfarrer auch seine geistlichen Mitbrüder und ihre Ehefrauen aus dem Dekanat Lublin-Chełm eingeladen hatte. Beide Begegnungen stärkten das Bewusstsein einer Zusammengehörigkeit Altkatholischer Kirchen über nationale und sprachliche Grenzen hinweg.

Prof. Dr. em. Urs von Arx

 
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