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Spätestens seit 2013, als die globale Konferenz der OpenData-Bewegung (okfn.org) in Genf stattfand, haben sich schweizerische Kulturinstitutionen vermehrt dafür eingesetzt, dass ihre historischen Schätze einem breiteren Publikum über das Internet frei zur Verfügung gestellt werden. Der Autor ist seit vier Jahren Teil dieser Bewegung und erklärt den Hintergrund und die Motive der OpenData-Initiativen in der Schweiz. Die Christkatholische Kirche der Schweiz leistet hier durch eine gemeinfreie Veröffentlichung historischer Archivbestände einen pionierhaften Beitrag.

 

Die internationale Bewegung für offene Daten

Der Durchbruch des Internets Ende der 1990er-Jahre und die darauf aufbauenden Innovationen haben auch die Gedächtnisinstitutionen nicht unberührt gelassen. Seither ist im Bereich der wichtigen Kulturinstitutionen wie Archiven, Bibliotheken oder Museen (s.u.) ein Trend in Richtung einer Öffnung gewisser Datenbestände zur öffentlichen Nutzung zu beobachten.

Grundlage des Trends ist die zunehmende Digitalisierung von Überlieferungsobjekten wie Bilder, Filme und Videos, Text und Ton sowie die einfachere und attraktivere Nutzung durch ein breites Publikum aufgrund stark verbesserter Zugriffsmöglichkeiten durch technische Innovationen und günstigerer Endgeräte.

Dabei soll OpenData zu mehr Transparenz, Partizipation und Zusammenarbeit führen. Aktivitäten in der Schweiz In der Schweiz hat der Bundesrat 2014 die «Open Government Data»-Strategie verabschiedet, was zur Förderung zahlreicher Projekte geführt hat, nicht zuletzt im Bereich der Kulturdaten. Der Verein opendata.ch ist eine Schweizer Sektion der globalen Bewegung für offene Behördendaten (Open Knowledge Foundation) und hat die Koordination diverser Aktivitäten auf diesem Gebiet in der Schweiz übernommen. Die eCH Fachgruppe Open Government Data vertritt auch die Interessen der Arbeitsgruppe OpenGLAM innerhalb des Vereins opendata.ch. Seit 2015 werden sogenannte «Swiss Open Cultural Data Hackathons» veranstaltet. Dies sind Events, bei denen sich Vertreter von Kulturinstitutionen mit Informatikspezialisten treffen, um konkrete Projekte umzusetzen. So ist in den letzten Jahren schon eine grosse Anzahl von offenen Beständen entstanden; das entsprechende Inventar wird laufend ausgebaut.*

Christkatholische Initiativen

Der Autor ist Mitglied der nationalen Arbeitsgruppe für Geistliche Archive (AGGA) des Vereins Schweizerischer Archivarinnen/Archivare (VSA). In dieser Funktion vertritt er die Interessen des christkatholischen Archivwesens. Als öffentlich-rechtliche Kirche sollten wir die Chancen von OpenData für eine bessere Sichtbarkeit und Zugänglichkeit der Bestände aus unserer reichen Geschichte nutzen, insbesondere jetzt – im Hinblick auf unser Jubiläum 150 Jahre Christkatholische Landeskirche (2025).

Als lokale Fallstudie aus der Zeit des Kulturkampfes ca. 1870–1886 (eine Kirchgemeinde wechselt von der römisch-katholischen zur christkatholischen Konfession) werden in der Kollektion die Protokolle der Kirchgemeinde Aarau (1868–1890) gemeinfrei publiziert. Dazu werden die digitalisierten Zeitschriften seit 1873 aus der Westschweiz publiziert. Die entsprechenden Dokumente wurden von den Archivträgern (Eigner) zur gemeinfreien Nutzung offiziell genehmigt und freigegeben. Allfällige Urheberrechte sind abgelaufen (70 Jahre) mit Ausnahme von wenigen kirchlichen Zeitschriften, die sowieso Öffentlichkeitscharakter haben. Zielpublikum sind Historiker und Theologen sowie andere Interessierte aus Bildungsinstitutionen.

Der Autor dankt insbesondere der Kirchgemeinde Aarau für die Digitalisierung der historischen Protokolle. Besondere Verdienste gebühren auch der Kirchgemeinde La-Chaux-de-Fonds bzw. Neuenburg (Fabrice Delay und Lena Kaufmann) für die Digitalisierung und Erschliessung der Zeitschriften aus der Westschweiz sowie der Kirchgemeinde Genf (Bernard Boulens, Jean Lanoy) wo der Glücksfall besteht, dass ein Mitglied des Kirchenrates gleichzeitig Informatiker ist und die Bestände gerade selbst digitalisiert hat (vgl. Kasten Bestandesübersicht). Diese OpenData-Kollektion soll andere christkatholische Gemeinden ermutigen, weitere Quellen aus der Zeit des Kulturkampfes zu digitalisieren und zugänglich zu machen. Der Autor leistet dazu entsprechende Unterstützung und klärt mit dem Juristen des Synodalrates (Toni Göpfert) die rechtlichen Fragen. Dieses Engagement erhöht damit indirekt die Visibilität der Christkatholischen Kirche der Schweiz.

Jürg Hagmann

*Weblinks:
make.opendata.ch/wiki/data:glam_ch
opendata.swiss


Bestände Deutschschweiz

Kirchgemeinde Aarau

  • Protokolle Kirchgemeinderat 1868–1890
  • Monografie (1900): Xaver Fischer; Abriss der Geschichte der katholischen (christkatholischen) Kirchgemeinde Aarau 1806–1895

Fonds Suisse romande

Zeitschriften 1873–2016

  • Le Vieux-Catholique 1873
  • Le Catholique-Suisse 1873–1875
  • Le Catholique National 1876–1878
  • Le Libéral 1878–1882
  • La Fraternité 1883–1884
  • Le Catholique National 1891–1908
  • Le Sillon de Genève 1909–1910
  • Le Sillon 1911–1970
  • Présence 1971–2016
  • Le Buis 1932–2016 (Canton de Neuchâtel)

Paroisse catholique-chrétienne de Genève: Saint-Germain (noch nicht publiziert)

  • Répertoire des archives (1874–1960)
  • Conseil Supérieur – Arrêtés (16 mai 1874 au 3 septembre 1875)
  • Conseil Supérieur Président – Correspondence (2 janvier 1875 au 9 septembre 1876)

Was ist Open GLAM?

GLAM steht für «Galleries, Libraries, Archives, Museums» und bezweckt als offene und globale Kulturinitiative die freie Nutzung von Kulturdaten aus öffentlichen Gemäldesammlungen, Bibliotheken, Archiven und Museen nach Open-GLAM-Prinzipien.

openglam.org/principles
glam.opendata.ch


Was bedeutet Creative Commons?

Creative Commons (abgekürzt CC; englisch für schöpferisches Gemeingut) ist eine gemeinnützige Organisation, die 2001 in den USA gegründet wurde. Sie veröffentlicht verschiedene Standard-Lizenzverträge, mit denen ein Autor der Öffentlichkeit auf einfache Weise Nutzungsrechte an seinen Werken einräumen kann. Für die Nutzung der publizierten christkatholischen Archivbestände wird die Lizenz CC-BY verwendet. Das heisst, dass die Verwendung der entsprechenden Quellen unter Namensnennung erfolgen soll.

www.creativecommons.ch

 
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