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Aus persönlichen Gründen sind meine Frau Isabel Schau und unser Sohn Jadon Mitte August nach Kassel (Deutschland) gezogen. Ich selber werde so bald wie möglich nachfolgen. Wann und wohin wir definitiv gehen werden, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest. Sobald Genaueres bekannt wird, werde ich dies – mit der neuen Adresse – gern in dieser Zeitschrift bekanntgeben. Dieser Weg-zug gibt mir nun Anlass, auf 18 Jahre Dienst in der Christkatholischen Kirche der Schweiz zurückzuschauen.

Im Oktober 1999 kam ich mit meiner Frau von Mannheim-Waldhof nach Trimbach. Grund für den Wechsel in die Schweiz war damals die Regelung in unserer deutschen Schwesterkirche, dass Pfarrfrauen alt-katholisch sein mussten. Meine Frau sah jedoch als Stipendiatin des evangelischen Stu-dienwerkes Villigst keinen Grund, ihre Konfession zu wechseln. In der Schweiz fand sie die unserer liberalen Tradition entsprechende Gewissensfreiheit, und hier wurde sie, dann aber aus freien Stücken, christkatholisch – weil ihr in der reformierten evangelischen Landeskirche die liturgisch-lutherische Tradition fehlte.

Dass zur gleichen Zeit Professor Martien Parmentier aus den Niederlanden nach Bern kam, gab mir die Gelegenheit, meine in Deutschland und Holland begonnene Dissertation in Bern fortzusetzen. Sie wurde schliesslich im Jahr 2014 im niederländischen Tilburg angenommen. Diese Doktorarbeit war auch ein Grund dafür, dass ich meistens weniger als zu 100% im Pfarramt tätig war, zunächst mit einer halben Pfarrstelle in Trimbach und ab 2002 zusätzlich zu 30% in Hägendorf, im Thal und im Gäu. 2005 wurde ich dann auch noch Pfarrer von Olten-Starrkirch; 2009 schliesslich fusionierten diese drei Kirchgemeinden zur «Region Olten», und ich wirkte massgeblich in der Offene Kirche Region Olten mit.

Seit 2002 arbeitete ich in der Kommission von Partner Sein und im Vorstand der Pastoralkonferenz mit. Ausserdem war ich Notfallseelsorger im Kanton Solothurn und Präsident der Schweizerischen Willibrord-Gesellschaft. Als ein spätes Ergebnis meines Englandaufenthaltes (1993 bis 1994) konnte ich 2010 das Buch «Building on the Bonn Agreement» in Amersfoort veröffentlichen – meine Masterarbeit an der Universität von Southampton.

Im Dezember 2011 kam unser Adoptivsohn Jadon 1½-jährig zu uns, und in der Osternacht 2012 wurde er in Hägendorf getauft. Im Sommer 2012 zogen wir als Familie, zusammen mit dem Schlittenhund Dshamija und der Katze Dido, nach Hellikon. Hier verbrachten wir noch fünf gemeinsame Jahre im schönen Jurapark.

Ich bin glücklich, dass ich die ver-gangenen 18 Jahre in der Schweiz verbringen durfte. Zu Dank verpflichtet bin ich allen, die uns in dieser Zeit angenommen haben wie wir sind, aber auch denen, die mich durch ihre Kritik haben reifen lassen. Stellvertretend für viele möchte ich Bischof em. Hans Gerny nennen, der uns den Weg in die Schweiz geöffnet hat, und den verstorbenen alt Kirchgemeindepräsidenten von Trimbach, Ruedi Bitterli. Und ohne vorherige freundschaftliche Kontakte zu Pfarrer Christoph Schuler im Rahmen der Internationalen Altkatholischen Jugend und der Anglikanisch-Altkatholischen Seminare für junge Theologen und Theologiestudierende wären wir sicher nicht in die Schweiz gekommen.

Nun führt mich mein Weg in die evangelische aus lutherischem und reformiertem Bekenntnis unierte Kirche von Kurhessen und Waldeck in Nordhessen. Ich bin überzeugt, dass sich die Einheit der Kirche nur in Anerkennung der tatsächlichen Unterschiedlichkeit der Bekenntnisse realisieren lässt und nicht durch Einheitlichkeit. Sommer, Winter, Frühling und Herbst machen gemeinsam das Jahr aus; und so ähnlich besteht auch die Kirche, könnte man sagen, aus Protestanten, Katholiken, Anglikanern und Orthodoxen. Einen ökumenischen Durchbruch stellte für mich 2016 die Gemeinschaft zwischen den Kirchen der Utrechter Union und der schwedischen lutherischen Kirche dar; hier ist endlich zum Ausdruck gekommen, dass auch katholisch-protestantische Kirchengemeinschaft möglich und schon wirklich da ist. Und so hoffe ich, dass in den kommenden Jahrzehnten weitere konfessionsübergreifende Kirchengemeinschaften abgeschlossen werden.

Schon im Rahmen meines Gastvikariates 1996 bis 1998 haben wir eine solche Gemeinschaft in Essen im Ruhrgebiet zeichenhaft vorweggenommen und miteinander die Osternacht gefeiert. Möglich gemacht hat dies die gute Zusammenarbeit meiner beiden Mentoren, des evangelischen Pfarrers Joachim Küssner und des altkatholischen Pfarrers Clemens Büchler – und der Mut des kürzlich verstorbenen alt Bischofs von Deutschland, Joachim Vobbe, und des damaligen Präses der rheinischen Kirche, Peter Beier. Auch in den vielen Thomasmessen in Trimbach durfte ich häufig wahrhaft ökumenische und kreative Eucharistiefeiern erleben. Ich hoffe, dass sich solche Zeichen immer mehr häufen und die liturgischen und kirchenrechtlichen Unterschiede dereinst nicht mehr wie heute Kirchengemeinschaft verhindern.

Pfr. Dr. Klaus Heinrich Neuhoff

 

 
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