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Zum Hinschied von Pfr. em. Erwin Gut-Baxter, 27. Februar 1936 bis 2. Juni 2017

 

Nach seiner Zeit als Missionar der Missionsgesellschaft Bethlehem in Rhodesien / Simbabwe, 1965 bis 1976, konvertierte er in die christkatholische Kirche und wirkte 16 Jahre als Pfarrer in ihren Gemeinden Kaiseraugst und Baselland.

Erwin Gut wuchs in Luzern mit drei Geschwistern auf. Seine Eltern ermöglichten ihm seiner Berufung zum Missionar, die er schon in jungen Jahren im Kopf und im Herzen hatte, zu folgen. Nach der Primarschule trat er ins Internat der Missionsgesellschaft Bethlehem, SMB, in Immensee ein und schloss mit der Matura ab. Anschliessend an die Rekrutenschule studierte er im Missionsseminar Schöneck in Emmetten Theologie und erhielt eine vielseitige Ausbildung als Missionar und Schulleiter. Erwin lernte vertieft, dass die Botschaft von Jesus ihn frei macht und ihn für andere Menschen mit ihrem anderen kulturellen Hintergrund öffnet. Anschliessend an die Priesterweihe am Palmsonntag 1964 machte er einen Sprachaufenthalt in England. 

Als Missionar in Rhodesien

Anfangs 1965 erfolgte mit vier Mitbrüdern die Missionsaussendung nach Gwelo in Rhodesien, heute Simbabwe. Er erlernte die Shonasprache und wurde von Bischof Aloisius Häne bald in die Missionspfarrei Bondolfi berufen. Sechs Missionare teilten sich die Arbeit eines Gebietes von der Grösse des Kantons Obwalden. Erwin Gut hatte das Glück, dass er via Tonbänder immer wieder mit seinem Bruder Markus in der Schweiz Kontakt hatte. Dank der Tageszeitung Vaterland, die er von ihm in einem wöchentlichen Paket jeweils nach vier Wochen erhielt, waren er und seine Mitbrüder stets über die Schweiz und das Weltgeschehen informiert.

Pater Erwin baute im Busch 1968 eine neue Kirche zu Ehren des Heiligen Raphael. Samt Sakristei und Wohnhaus kostete damals alles Fr. 30'000.–. Erwin selber sammelte das Geld dafür...! 

1970 traf Pater Erwin eine heimtückische Virusinfektion, die zu Lähmungen führte, die ihn monatelang an den Rollstuhl banden. Nach einem Gesundheitsurlaub in der Schweiz kehrte er nach Rhodesien zurück. Seine geliebte Buschmissionstätigkeit konnte er nicht mehr aufnehmen. Er wurde in Fort Viktoria in einer Stadtpfarrei eingesetzt.

Ein neuer Weg

1975 lernte Pater Gut die Lehrerin Margret Baxter kennen und lieben. Er wollte heiraten und gleichzeitig in der Kirche arbeiten. Sein Dispensgesuch wurde von Rom vorerst abgelehnt und darum heirateten die beiden am 18. September 1976 in der anglikanischen Kathedrale in Salisbury. Dann wurde gepackt und auf dem Bahn- und Seeweg nach Luzern gereist.

Auch zu Hause war ihm sein treuer Bruder Markus behilflich. Erwin hätte im aargauischen Lupfig sofort eine kirchliche Stelle antreten können, die Dispens aus Rom liess jedoch auf sich warten. Bis sie endlich eintraf, arbeitete er als Quereinsteiger auf der Luzerner Kantonalbank. Als die Dispens endlich doch eintraf, wurde er ein sehr geachteter Pfarreimitarbeiter des römisch-katholischen Kirchenzentrums im Birrfeld. Das war dennoch kein Traumjob, da er sein Priesteramt nicht wahrnehmen durfte. Das einzige Highlight in Lupfig war Ende 1981 die Geburt der Tochter Rosie. Für sie waren Mutter und Vater immer da und förderten ihren Liebling.

Übertritt in die christkatholische Kirche

Erwin Gut kam in Kontakt mit der christkatholischen Kirche. Diese stellte ihm einen Kirchenwechsel mit priesterlichem Wirken in Aussicht. Die Voraussetzung war, ein überzeugender Christkatholik zu werden, die vorgeschriebenen Zusatzvorlesungen vor allem in Liturgik, Kirchengeschichte usw.. zu besuchen und entsprechende Prüfungen an der Christkatholisch-theologischen Fakultät der Universität Bern abzulegen. Für die Dauer der Studienzeit zog die junge Familie nach Hinterkappelen. Um diese ernähren zu können wirkte Erwin Gut unter anderem in Hindelbank als Gefängnisseelsorger. Er blieb zudem lebenslang in dankbarer Beziehung mit der SMB.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Zusatzstudien wurde Erwin Gut als Pfarrverweser und schliesslich als Pfarrer der beiden verwaisten christkatholischen Gemeinden in Baselland und in Kaiseraugst gewählt. Die feierlichen Installationen am Fest der Darstellung Jesu im Tempel/ Lichtmess 1985 nahm Bischof Hans Gerny in der übervollen Kirche St. Gallus in Kaiseraugst vor. 

Wirken als Pfarrer

Neben der Seelsorge-, Gottesdienst-, Katechetik- und Ökumenetätigkeit lag ihm der erfolgreiche Erhalt der Selbstständigkeit der Kirchgemeinde Baselland mit ihren vier Gottesdienststationen am Herzen. Zu seiner Fortbildung pflegte er unter anderem das Bibelstudium im Kreise einiger Kollegen und nahm regelmässig an der Internationalen Altkatholischen Theologenwoche teil. Mit 65 Jahren endete 2001 seine 16-jährige Amtszeit in beiden Gemeinden. Er zog mit seiner Frau in eine eigene Wohnung nach Rheinfelden. Das Singen im Kreise des Männerchors Rheinfelden schenkte ihm viele Sängerkollegen und grosse Freude. Eine Zeitlang wirkte er noch als gerngesehener Gottesdienstvertreter. Seine alten Lähmungen machten ihm aber zusehends immer mehr Mühe, und er konnte diese Aufgabe nicht mehr wahrnehmen.

Abschied

Infolge eines schweren Autounfalls vermehrten sich seine Schwächen. Nach Reha- und Spitalaufenthalten fand er 2014 einen Platz im Pflege- und Altersheim Stadelbach Möhlin, wo seine Gebrechlichkeiten zunahmen. 2016 starb seine Frau Margret. In Begleitung seiner Tochter Rosie, seines Bruders Markus und seines Freundes Eugen verschied er im Herrn vor Pfingsten, am 2. Juni 2017 nach einer schweren Lungenentzündung im Spital Rheinfelden. Der würdigen Abdankung in der Stadtkirche Rheinfelden stand Bischof Dr. Harald Rein vor. Die Beisetzung erfolgte auf dem städtischen Waldfriedhof.

In der Abdankungspredigt wurde deutlich, dass es Pfarrer Erwin Gut mit seiner humorvollen Art gelang, ein altkatholisches Leitmotiv, nämlich aus Liebe zur Menschwerdung Gottes in Christus, das Katholische menschlich und das Menschliche katholisch, allumfassend gestalten zu helfen. Er sprach es selten und dann nur leise aus, dass es ihn besonders freute, wenn er erlebte wie auch seine Mitmenschen von der Herrlichkeit Gottes lebten und nicht umgekehrt, selbstherrlich andere dominierend.

Pfr. em. Eugen Herzog
Skizze nach dem ausführlichen Lebenslauf des Bruders des Verstorbenen, Markus Gut, den er am Abdankungsgottesdienst vortrug.

 

 
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