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Am 24. Juni 2017 ist Prof. Dr. Victor Conzemius in Luzern verstorben. Er ist in den 1960er-Jahren vielen Christkatholiken durch Vorträge bekannt geworden. Sein Buch über die Altkatholische Kirche bleibt die einzige grössere Darstellung aus römisch-katholischer Feder.

 

Zum Hinschied von Prof. Victor Conzemius, 3. September 1929 bis 24. Juni 2017 

Victor Conzemius wurde am 3. September 1929 in Echternach (Luxemburg) geboren. Nach der Matura studierte er Philosophie und Theologie am Priesterseminar in Luxemburg sowie Geschichte, Philosophie und Theologie an der Theologischen Fakultät im schweizerischen Freiburg, wo er 1954 zum Dr. phil promovierte. Ein Jahr später empfing er die Priesterweihe. Nach Vikariatsdiensten und weiteren Studien begann er seine akademische Lehrtätigkeit am Univer-
sity College in Dublin (1965–1968). Danach hatte er von 1970 bis zu seinem selbst gewählten Rücktritt 1980 die Professur für Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät in Luzern inne.

Dieser Rückzug tat seiner wissenschaftlichen und weiteren publizistischen Tätigkeit (auch in Zeitungen wie etwa für das Feuilleton der NZZ) keinen Abbruch. Richtete sich sein Interesse zunächst auf Gestalten wie etwa Ignaz von Döllinger und Philipp von Segesser – und damit auf die Zeit der innerkatholischen Auseinandersetzungen über den politischen und religiösen Liberalismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – so gewann später auch der schweizerische Katholizismus der jüngeren Vergangenheit seine Aufmerksamkeit. 

Was sein literarisches Œuvre besonders auszeichnet, sind die vielen kürzeren oder längeren Biografien von Menschen, in deren durchaus unterschiedlichem Leben er immer wieder die befreiende und vorwärtstreibende Kraft des Glaubens in einer religiös unsicher gewordenen Zeit entdeckte und herausstellte. In all den Jahren kontinuierlichen Schreibens hat er auch den ihm lieben Dienst eines Aushilfepriesters und Seelsorgers wahrgenommen.

In dieser Eigenschaft hatte der junge Victor Conzemius 1964–1965 in der St.-Joseph-Anstalt im Bachtelenbad Grenchen gewirkt, und in jener Zeit entstanden erste engere und bleibende Kontakte mit Christkatholiken. Dass er sich damals für deren Anliegen interessierte, war schon durch seine Vorträge am Schweizer Radio aufgefallen («Zwischen Rom, Canterbury und Konstantinopel. Der Altkatholizismus in römisch-katholischer Sicht»). 

Im September 1965 hielt er auf Einladung «meiner Schweizer Freunde» auf dem Internationalen Altkatholikenkongress in Wien ein Referat. Es war dies die erste öffentliche Teilnahme römisch-katholischer Vertreter an einem Altkatholikenkongress – neben Conzemius der holländische Professor N. Groot – denn bisher waren es orthodoxe und anglikanische Repräsentanten gewesen, die in erster Linie auf die altkirchlich orientierte Stossrichtung der altkatholischen Ökumene reagiert hatten. Der Auftritt von Römisch-Katholiken hatte mit dem einige Wochen später zu Ende gehenden Zweiten Vatikanischen Konzil zu tun, zu dessen vier Sitzungsperioden jeweils altkatholische Beobachter eingeladen worden waren. 

Conzemius’ Referat mit dem Titel «Plädoyer für einen gemeinsamen Dialog unter Katholiken – gemeinsames Erbe, gemeinsame Aufgaben», markiert, wie man im Rückblick feststellen kann, den Auftakt zu einer allmählichen Veränderung der ökumenischen Grosswetterlage, in der die Utrechter Union sich bis anhin bewegt hatte. Bald entstanden auch in einigen Ländern nationale römisch-katholisch–altkatholische Gesprächskommissionen, deren Arbeit nach der Jahrtausendwende der internationale Dialog aufgriff, vertiefte und im Juli dieses Jahres vorläufig abschloss.

1969 veröffentlichte Victor Conzemius im Benziger-Verlag ein Buch unter dem Titel «Katholizismus ohne Rom. Die altkatholische Kirchengemeinschaft». Es war dies die erste unpolemische, zurückhaltend freundliche Darstellung in Buchform, welche von einem römisch-katholischen Autor stammt. Sie ist immer noch lesenswert, selbst wenn altkatholische Binnen- und römisch-katholische Aussenwahrnehmung in manchen Punkten differieren mögen und sich das Gesamtbild des Altkatholizismus in den letzten Jahrzehnten ohnehin deutlich verändert hat.

Eine grosse Gemeinde hat am 3. Juli 2017 in der Hofkirche Luzern von Victor Conzemius in einem schlichten Trauergottesdienst Abschied genommen. Er wurde neben der Kirche im Feld der Priestergräber beigesetzt.

Urs von Arx

 

 
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