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 Die indische Kultur ist durch zahlreiche indische Restaurants, Special-Food-Abteilungen in Supermärkten, Curry, Erleuchtungserlebnisse von sinnsuchenden Hippies und ein wenig Kamasutra in Europa längst bekannt. Wer das glaubt, hätte am 5. und 6. Juni an der Universität in Bern einiges mehr dazulernen können. Eine Delegation indischstämmiger Thomas-Christen brachte im Rahmen einer internationalen Konferenz das Wesen und die Geschichte der Mar-Thoma-Kirche des syrischen Ritus den Hörern und Hörerinnen näher. Eine Reihe altkatholischer Theologinnen und Theologen aus der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden unterstützte dieses Ansinnen durch eigene Vorträge.

Dass die Mar-Thoma Kirche sich Interessierten Altkatholiken und Altkatholikinnen vorstellen könne, sei das Ziel der breit angelegten Konferenz mit rund vierzig Teilnehmern. Dies erklärte Angela Berlis, Professorin am Departement für Christkatholische Theologie zu Beginn des zweiten Tages der Konferenz. Harald Rein, Bischof der Christkatholischen Kirche der Schweiz, betonte die Notwendigkeit des Austauschs und des Sich-Kennen-Lernens der beiden Kirchen vor dem Hintergrund der Migration und der globalisierten Welt, in der Indien und Europa nicht mehr so weit auseinanderliegen wie noch vor ein paar hundert Jahren. Isaac Mar Philoxenos Episcopa, Bischof der Mar-Thoma-Kirche, ergänzte, dass die beiden Kirchen auch schlichtweg voneinander lernen könnten.

Die indischen Thomas-Christen gehen auf die Mission des Apostels Thomas zurück und bilden somit seit frühester Zeit eine eigenständige Kirche. Sie haben nicht an allen sogenannten Ökumenischen Konzilien vor dem grossen Morgenländischen Schisma 1054 teilgenommen. Nicht zuletzt deswegen wurden die Thomas-Christen während der Kolonialisierung Indiens von europäischen Missionaren als Kirche Indiens übergangen und Indien missioniert.

Mit der Konferenz im Mai schuf die Uni Bern eine Plattform für die Begegnung von Thomas-Christen und Altkatholiken. Solche Begegnungen sind nötig, damit die von den beiden Kirchen angestrebte Kirchengemeinschaft Wirklichkeit wird. Denn «in Kirchengemeinschaft zu sein, heisst, sich gegenseitig zu kennen», meint Roger Brun Kirchgemeindepräsident und Synodedelegierter aus St. Imier. Jedenfalls «besteht auf beiden Seiten noch Gesprächsbedarf», sagt Manuela Petraglio, Synodalratspräsidentin der Christkatholischen Kirche.

Ob die Kirchengemeinschaft, und damit eine stärkere Grundalge für weitere Begegnungen geschaffen wird, wollen die altkatholischen Bischöfe diesen Sommer beschliessen.

lk

 
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